Chapelles, Bälle und Promenade: das Karnevalsfest von Dünkirchen
Karneval erlebt man nicht nur in der Bande. Da sind die Chapelles, in denen man Sie wie Familie empfängt, die Bälle im Kursaal, die bis in den frühen Morgen dauern, und die Promenade von Malo, die sich in ein großes Fest unter freiem Himmel verwandelt. Hier erfahren Sie alles, was zwischen zwei Chahuts passiert.
Die Chapelle, das warme Herz des Karnevals
Die Chapelle ist das warme Herz des Karnevals. Karnevalisten öffnen ihr Haus, ihre Garage oder ein Café für ihre Freunde, um etwas zu essen, zu trinken und zu singen, bevor es zurück in die Bande geht. Man geht dort nicht einfach hinein wie in eine Kneipe: Man kommt, weil man eingeladen ist, oder in Begleitung von jemandem, der die Gastgeber kennt.
Die Gastgeber nennt man ganz einfach "mon oncle" und "ma tante" (Onkel und Tante).
Auf dem Tisch stehen die Klassiker: Zwiebelsuppe, Heringe, Podingue (ein Rosinenpudding), Beultekaze (eine Art Presskopf), Pot'je vleesch und genug zum Anstoßen. Manche Chapelles sind zu festen Terminen geworden, etwa die des Rathauses am Morgen der Bande der Fischer oder die der Feuerwehr von Malo vor dem Bal de la Violette.
Die Bälle im Kursaal
Am Abend geht das Fest im Kursaal in Malo weiter, mit Blick aufs Meer. Jeder Ball wird von einem Karnevalsverein ausgerichtet, oft zugunsten eines guten Zwecks, eine Tradition, die auf die Hilfsvereine für die Familien verunglückter Seeleute zurückgeht. Mehrere tausend Karnevalisten im Clet'che tanzen dort bis in den frühen Morgen, zu Livebands und DJs. Und wie in der Bande endet jede Stunde mit einem großen Chahut und dann mit der Cantate à Jean Bart, die der ganze Saal kniend singt.
Die Karten kauft man im Voraus in bestimmten Geschäften in Dünkirchen, und die großen Bälle sind schnell ausverkauft. Für Familien veranstalten mehrere Gemeinden auch Kinderbälle am Tag. Die Reihenfolge der großen Bälle finden Sie auf der Hauptseite des Führers.
Das Avant-bal mit Blick aufs Meer
Bevor es zum Ball geht, trifft man sich zum Avant-bal: bei Freunden, in einer Bar oder sogar direkt an der Promenade von Malo. Man schminkt sich fertig, stößt an, wärmt die Stimme auf, und dann geht es in Richtung Kursaal.
Das Avant-bal mit Blick aufs Meer sollte man mindestens einmal erlebt haben. An der Promenade trifft man Fremde, die für die Dauer eines Liedes zu Freunden werden, man stößt mit einer Krankenschwester mit Schnurrbart oder einem Riesenhummer an, und die Lachanfälle reißen den ganzen Abend nicht ab. Allein die Clet'ches der anderen anzuschauen ist ein Schauspiel: Jeder übertrifft sich an Einfallsreichtum, von Pelzmänteln bis Perücken, von Pailletten bis zu den unmöglichsten Hüten. Die Stimmung ist gutmütig, herzlich und unkompliziert. Das ist der Geist des Karnevals: Man feiert miteinander, nicht gegeneinander.
Am Ballabend hat jeder seinen Mehrwegbecher dabei, und die Promenade wird zu einer großen Bar unter freiem Himmel. Man bestellt ein Getränk in einer Bar, trinkt es in der nächsten aus, lässt es in einer dritten nachfüllen und zieht so von Begegnung zu Begegnung bis zum Eingang des Kursaals. Kein Glas auf den Straßen beim Fest: Der Becher ist Pflicht, und sicherer ist er auch.
Vom ersten bis zum letzten Ball
Vom ersten bis zum letzten Ball der Saison verwandeln die Karnevalswochenenden die Promenade von Malo. Zu beiden Seiten des Kursaals räumen Dutzende Bars und Restaurants Tische und Stühle beiseite und werden für einen Abend zu echten Clubs. An den Plattentellern spielen DJs die Hits, bei denen alle mitsingen, von den 80ern bis heute. Man kommt vor dem Ball zum Aufwärmen hierher, und manche bleiben die ganze Nacht, ohne überhaupt in den Kursaal zu gehen. Und im Morgengrauen warten die Frittenbuden auf dem Parkplatz der Digue des Alliés auf die letzten Karnevalisten.
Ein paar Anhaltspunkte: Die Schlange vor dem Kursaal bildet sich vor allem zwischen 22 und 23.30 Uhr und kann sich die Promenade entlangziehen. Halten Sie Ihren Pelz gut geschlossen, der Seewind ist gnadenlos. Der Ball endet gegen 5 oder 6 Uhr morgens, und der Wechsel von der Wärme des Saals in die Meeresluft ersetzt jeden Wecker.
Punsch, Diabolo flamand und Zwiebelsuppe
Auf der Straße schenken die Bars Bier, Diabolo flamand und Punsch aus, der literweise zum Teilen verkauft wird (in der Saison 2026 zwischen 12 und 15 € pro Liter). Der Diabolo flamand besteht zu einem Drittel aus Genever, aufgefüllt mit Limonade, manchmal mit einem Schuss Veilchensirup. Ein Tipp der Karnevalisten: Man ist hier, um lange zu feiern, nicht um die Bande vorzeitig zu beenden.
Und wenn die Nacht zu Ende geht, ist die Tradition an der Reihe: die Zwiebelsuppe. Nach jedem Ball wie nach jeder Bande isst man sie heiß in einem Café, das noch offen hat, oder in einer Chapelle. An der Promenade wird sie vielerorts serviert, genau das Richtige, um vor dem Heimweg wieder zu Kräften zu kommen.
Für eine richtige Mahlzeit servieren die Brasserien Pot'je vleesch und flämisches Rindergulasch (Carbonade flamande), und entlang der Bandes haben die Frittenbuden das Sagen. Unsere Lieblingsadressen finden Sie auf der Seite Essen gehen.
Der Zot'che
Beim Karneval gehört der Zot'che dazu: ein kleiner Kuss auf den Mund, unter Karnevalisten, wer auch immer sie sind. Eine Geste der Verbundenheit, kein Flirt. Niemand muss Ja sagen, und ein Lächeln genügt, um abzulehnen: Das nimmt Ihnen niemand übel.
Sogar die Polizei lächelt
Hier lächelt sogar die Polizei. Die Karnevalisten chahuten sie ganz freundlich, fordern Zot'ches ein, und die Beamten posieren gern mit für Fotos. An der Promenade begegnen Ihnen oft belgische Polizisten, die gemeinsam mit ihren französischen Kollegen Streife gehen: Aufsicht unter Nachbarn, was die gute Laune noch steigert. Für ein Fest mit so vielen Menschen bleibt die Stimmung bemerkenswert friedlich, und genau das ist der Geist des Karnevals.
Die Gerüche des Karnevals
Wundern Sie sich an der Promenade nicht, wenn Ihnen jemand eine Lauchstange hinhält: Man beißt hinein, man lacht, und man riecht bis zum Ende der Nacht nach Lauch. Beim Karneval gehören Gerüche zur Erinnerung. Dazu kommt der Räucherhering, beim Wurf am Rathaus gefangen und manchmal in einer Tasche des Clet'che vergessen... bis zum nächsten Jahr. Sie sind gewarnt.
Schlafen fünf Minuten vom Kursaal
Loucé und Adélise liegen in der rue de la Colline 37, eine Minute von der Promenade und fünf Minuten vom Kursaal. Nach dem Ball müssen Sie auf kein Auto und keinen Shuttle warten: Sie gehen zu Fuß nach Hause, und dank Self-Check-in per Schlüsselbox richten Sie sich ein, wann Sie wollen. Und die gute Nachricht: Die rue de la Colline bleibt an Ballabenden ruhig. Nah am Fest und trotzdem ruhig zum Schlafen.