Eine Bande beim Karneval von Dünkirchen erleben
Beim Karneval von Dünkirchen ist die Bande keine Clique von Freunden: Sie ist der Umzug selbst. Tausende Karnevalisten im Clet'che, untergehakt, folgen drei bis fünf Stunden lang der Musik durch die Straßen, im Wechsel zwischen gemütlichem Gehen, ausgelassenem Chahut und lauthals im Chor gesungenen Liedern. So läuft es ab, und so holen Sie das Beste heraus, auch beim ersten Mal.
Der Tag einer Bande
Am Tag der Bande beginnt das Fest lange vor dem Start. Schon am Morgen wärmt die Avant-bande die Straßen auf: Die Riesen kommen heraus, die ersten Klänge ertönen, die Chapelles öffnen ihre Türen. Nach dem Rigodon übernimmt die Après-bande bis zum Ball am Abend.
In den letzten Jahren startete die Bande der Fischer am Sonntag um 15 Uhr vor dem Café Le Poisson Rouge am boulevard Sainte-Barbe, wenn Cô Boont'che das Zeichen gibt. Die Strecke wird jedes Jahr einige Tage vorher von der Stadt bestätigt.
Unterwegs kehrt man in einer Chapelle ein, singt und chahutet, dann folgt gegen 17 Uhr der Heringswurf am Rathaus und schließlich am Abend der Schluss-Rigodon.
Die Clique, der Tambourmajor und die Chasse-nèches
Alles geht von der Musik aus. Vorneweg marschiert der Tambourmajor in der Uniform eines Grenadiers aus der Kaiserzeit: Er führt die Bande an, wählt die Strecke und gibt das Signal für jeden Chahut. In Dünkirchen ist das Cô Boont'che, in Malo Goliath VIII. An seiner Seite geht die Cantinière, ebenfalls im napoleonischen Kostüm. Sie versorgt den Cô und die Musiker unterwegs mit Getränken, und zwischen allen herrscht eine echte Verbundenheit. Dahinter folgt die Clique: Trommeln, Pfeifen, Blech und Pauken, alle in gelbem Ölzeug.
Vorne, in blauem Ölzeug, gehen die Chasse-nèches. Ihre Aufgabe: diejenigen antreiben, die den Rhythmus nicht halten, und für die Sicherheit sorgen. Lange war diese Rolle Männern vorbehalten, heute steht sie auch Frauen offen.
Der Chahut
Während der Bande wechselt die Musik. Wenn die Pfeifen spielen, geht man gemütlich untergehakt. Dann übernehmen Blech und Trommeln, und es ist Zeit für den Chahut: Die erste Reihe, bestehend aus kräftigen, erfahrenen Karnevalisten, stemmt sich gegen die Menge, während die Reihen dahinter schieben und springen und aus voller Kehle singen. Man schiebt mit der Brust, niemals mit den Händen im Rücken des Vordermanns. Wer raus will, ruft "Sortie!" und wird durchgelassen. Wenn jemand stürzt, rufen alle "Chute!", die Reihen erstarren und man hilft der Person sofort wieder auf. Den Chahut erlebt man in den Bandes, beim Heringswurf, beim Schluss-Rigodon und auch auf den Bällen, wo jede Stunde mit einem großen Chahut endet.
Drei Arten, die Bande zu erleben
Hinter den ersten Reihen, zum Chahuten. Wenn Sie chahuten wollen, ist Ihr Platz hinter den ersten Reihen. Und dort geht es heftig zu: Sie sind von allen Seiten eingeklemmt, manchmal berühren Ihre Füße den Boden nicht mehr und die Menge trägt Sie mit. Selbst mit 100 Kilo auf der Waage kann Ihnen das passieren! Ein einzigartiges Gefühl, und genau deshalb kommt man jedes Jahr wieder. Wird das Gedränge aber zu stark, zögern Sie nicht: Rufen Sie "Sortie!" und lassen Sie sich an den Rand leiten.
Vor der Clique, mit der Familie. Es gibt noch eine andere Art, die Bande zu erleben: vor der Clique. Dieser Platz ganz vorne gehört den Familien und allen, die die Musik ohne Chahut genießen wollen. Aber Achtung, eine goldene Regel: Vor der Clique wird nicht gechahutet. Viele Besucher glauben, man könne dort eine erste Reihe bilden, aber bloß nicht! Das blockiert die Musik, und beim Karneval darf niemand den Tambourmajor, die Cantinière und die Clique am Weitergehen hindern. Wenn ein Chasse-nèche Sie bittet, weiterzugehen, folgen Sie ihm: Er hält das Tempo der Bande.
Auf dem Gehweg, als Zuschauer. Sie können die Bande auch einfach vorbeiziehen sehen, mitsingen und sich anschließen, wenn Sie so weit sind. Beim ersten Mal oder mit Kindern beginnen Sie am besten vor der Clique oder am Rand: So genießen Sie Musik und Stimmung ohne Druck.
Der Heringswurf
Am Sonntag der Trois Joyeuses macht die Bande vor dem Rathaus von Dünkirchen halt. Vom Balkon werfen der Bürgermeister und seine Gäste fast 500 Kilo verpackte Räucherheringe in die Menge, eine Tradition, die 1962 zur Erinnerung an die Islandfischer entstand. Einen eigenen Kipper zu fangen, macht stolz.
Behalten Sie den Balkon im Auge: Zwischen den fliegenden Kippern wirft der Bürgermeister auch ein paar Plastikhummer. Die Tradition geht auf Bürgermeister Michel Delebarre zurück, dem die Menge mit einem Wortspiel aus seinem Namen und dem französischen Wort für Hummer zurief, passend zum älteren Ruf nach Kippern. Einen Hummer zu fangen ist die ultimative Trophäe, die man sorgsam aufbewahrt.
Anderswo hat jede Bande ihre eigene Version: getrockneten Fisch in Saint-Pol-sur-Mer und Rosendaël, Käse und Wurst in Bergues, Veilchen in Malo.
Der Rigodon und die Cantate à Jean Bart
Jede Bande endet mit dem Rigodon: Fast eine Stunde lang drehen die Karnevalisten chahutend ihre Runden um den Musikpavillon, in dem die Clique das ganze Karnevalsrepertoire spielt. In Dünkirchen findet er am Fuß der Statue von Jean Bart statt, in Malo auf der place Turenne, mit Blick aufs Meer. Dann kommt der bewegendste Moment: die Hommage au Cô, danach die Cantate à Jean Bart. Die Karnevalisten fassen sich an den Händen, knien nieder, Hut ab, und singen für den Freibeuter, den Helden der Stadt. Auch ohne den Text zu kennen, bekommen Sie Gänsehaut.
Beim Rigodon wie beim Heringswurf wird sehr, sehr heftig gechahutet: Die Menge ist so dicht, dass man manchmal glaubt, man komme da nie wieder raus! Auch deshalb vergisst man es ein Leben lang nicht. Wenn Ihnen Menschenmengen unangenehm sind, bleiben Sie am Rand des Platzes: Sie singen genauso mit, aber mit Luft zum Atmen. Und vereinbaren Sie vorher mit Ihren Begleitern einen Treffpunkt außerhalb des Platzes.
Die goldenen Regeln der Bande
- Kommen Sie verkleidet, oder zumindest geschminkt: Das ist die Voraussetzung, um bei der Bande mitzugehen.
- In den Reihen hakt man sich unter, über die ganze Breite der Straße.
- Man schiebt mit der Brust, niemals mit den Händen.
- "Sortie!" zum Rausgehen, "Chute!" wenn jemand stürzt.
- Vor der Clique wird nie gechahutet.
- Kein Glas in der Bande: nur Dosen und Becher.
- Der Karneval ist kein Trinkwettbewerb: Ein zu betrunkener Karnevalist gefährdet seine Nachbarn in der Reihe.
- Keine Rauchfackeln und keine Böller.
- Bücken Sie sich in der Menge nicht plötzlich, um etwas aufzuheben.
Gut gerüstet für den Chahut
Ein Tipp der Karnevalisten: Im Chahut verliert man leicht einen Schuh. Und ein verlorener Schuh bedeutet das sofortige Ende Ihres Karnevals. Passiert das in der Bande, werfen die Karnevalisten den Schuh in hohem Bogen, gut sichtbar, an den Straßenrand, damit sein Besitzer ihn wiederfindet. Besser, es kommt gar nicht erst so weit: Tragen Sie hohe Schnürschuhe, gut gebunden. Dasselbe gilt für den Hut: Sehen Sie einen Kinnriemen oder eine andere Befestigung vor, sonst fliegt er beim ersten Chahut davon. Die komplette Ausrüstung der Karnevalisten finden Sie hier.
Und nach der Bande, wo schläft man?
Loucé und Adélise liegen in der rue de la Colline 37, 150 Meter von der place Turenne, wo die Bande von Malo mit ihrem Rigodon endet, und fünf Minuten vom Kursaal. Nach dem Rigodon oder dem Ball geht es zu Fuß nach Hause.